159 KLASSIKER ZUM MITTSOMMER

05.07.2019 – Classic Week die 4. ausgerufen vom Freundeskreis Klassischer Yachten. Sonst im 4 Jahres-Turnus ausgesegelt, mußten sich die Klassiker Freunde diesmal sogar 5 Jahre gedulden – es hat sich gelohnt!

Das vielköpfige und unermüdliche Classic Week Organisationsteam hat wieder alle Register gezogen, um eine Woche Regattasport und Party vom Feinsten zu bieten. Allein das Wetter spielte nicht immer mit und brachte Wind und Sonne im Wechsel mit Flaute und Gewittern. Es besserte sich aber je näher die Kieler Woche rückte.

Dirk Hilcken „im Dienst“ – da kann kommen, was will……

“The Run“ heißt die Sternfahrt, die sonst alljährlich freitags in einer hellen Juninacht Svendborg zum Ziel hat. Dieses Jahr endete „The Run“ im Alsensund bei Fast-Flaute für einige Teilnehmer nach über 70 sm. Empfangen von Dirk Hilcken auf dem PANTAENIUS Schlauchboot mit einem kühlen Frühstücksbier von Sponsor Budweiser. Dirk und sein Schlauchboot waren die ganze Woche dabei und Dirk half, wo er konnte. Einmal ließ er sich sogar im Klettergurt in den Mast einer Schäre ziehen um das durchgelattete Segel runter zu bringen.

„Lisoletta“ neben der – hier noch heilen – „Gudrun III“

Im Hafen von Sonderborg war der Stadthafen für die Armada aus Edelholz (ja, es gab auch ein paar Stahlschiffe) reserviert und so liefen sie am vormittag ein: Die großen Kreuzeryachten, „Mingary“, „Andromeda“, „Peter von Seestermühe“, „Gudrun III“ auch ein paar Meter-Rennyachten wie der 12er „Anita“, und der 8er „Feo“, ganz viele 5, 6 und 7KR Yachten, Schären- und Mälarkreuzer, 60er und 70er Jahre Eintonner, Jollenkreuzer, eine ganze Folkeboot-Flotte, ein paar Hansa-Jollen und viele andere Boote und Yachten, selbst ein Sharpie war dabei. Das fuhr allerdings als Deckslast des Begleitkümos „Gesine“, das als schwimmendes Wettfahrtbüro und Gepäcktransporter für die kleinen Boote diente, dann aber auch gesegelt wurde. Insgesamt 159 Yachten hatten gemeldet, es gab Boote aus Österreich, Dänemark, der Schweiz, aus Berlin und vom Bodensee.

reichlich „Um-ta-ta“ gab’s auch!

Die Dänen freuten sich richtig über ihre Gäste, was der 2. Bürgermeister der Stadt in seiner Ansprache im modernen Uni-Gebäude „Alsion“ glaubwürdig rüber brachte. Und dann gab es typische dänische Buffet-Leckereien, Siegerehrungen und Small Talk. Zum Schwofen zur Live Band war das Seglervolk dann leider doch zu müde. Jeden Morgen Frühstück für etwa 500 Seglerinnen und Segler, keine leichte Aufgabe, die aber die ganze Woche erfüllt wurde.

Regen in Sonderborg

Dann schickte der jeweils örtliche Segelclub, unterstützt von dem freundlichen Herrn Burmeister, die Flotte auf eine Dreiecksbahn in 5 Starts, in diesem Fall in der Sonderborg Bucht. Leider schlief der Wind ein, so dass nicht alle ins Ziel kamen. Am Kai sowie vor und auf der „Gesine“ herrschte dennoch beste Stimmung. Der Montag führte die Flotte bei anfangs frischem Wind nach Kappeln.

Die Armada entert die Schlei

Leider kreuzte der große, vor wenigen Jahren frisch restaurierte Colin Archer „Gudrun III“ so unglücklich mit Steuerbordschoten vor der Startlinie, dass die „Anita“ nicht mehr ausweichen konnte und mit ihrem spitzen Löffelbug die Lee-Schanz hoch bis ins Großsegel stach. Holz splitterte, Segeltuch riss – verletzt wurde niemand. Für die „Gudrun III“ indes war die Classic Week passé, sie mußte zur Werft humpeln. In Kappeln wurde dann der geringere Bugschaden an „Anita“ repariert und sie war weiter mit von der Partie – die nächsten zahlenden Gäste warteten schon. Ein herrliches Bild, wie die Flotte zum Teil unter eigenen Segeln (war gerade mal Ostwind) oder im Schlepp die Schlei hochzog bis Kappeln. Dort warteten Fischbrötchen, ein gut aufgelegter und vorbereiteter Arnisser Segel Club und die legendäre Suppentour – jeder Teilnehmer bekommt einen Löffel umgehängt und dann geht es hinter einer Marching Band her von Gasthaus zu Gasthaus wo es für kleines Geld eine Teller Suppe gab – viel Spaß und gute Laune.

Holz-Impression in Ecke

Am Dienstag dann Wettfahrten auf der Schlei für die Lütten und für die Großen vor Schleimünde, die leider wieder unter einschlafendem Wind litten. Trotzdem waren alle wieder rechtzeitig an Land, wo Sponsor TOPLICHT ein kleines, feines Zelt aufgebaut hatte, jedes teilnehmende Schiff bekam ein kleines Geschenk und das Messing am Stand leuchtete bis in die Nacht.

Unter Spi im Gewitter

Mittwoch dann der Schlag nach Eckernförde – das übliche: Frischer Wind am Start, dann Flaute für die einen mehr, die anderen weniger und dann das Gewitter, das auch einige heftig traf – zum Glück ohne größere Schäden anzurichten. In Ecke war dann Yachsport Nielsen das Zentrum für Preisverteilung, Musik, Tanz und Frühstück. Donnerstag ging es zu einer Wettfahrt auf die Eckernförder Bucht und Freitag dann endlich nach Kiel, wo die 125. Kieler Woche eröffnet wurde. Auch in Laboe, das kurzfristig als Altenativhafen für Möltenort herhalten mußte, freute sich der Bürgermeister in einer frischen Ansprache über so viele hübsche Klassiker – da fielen die wenigen Plastikschiffe, die nicht geflüchtet waren, kaum auf. Ja, es war eng aber irgendwie fand jeder ein Plätzchen. Es wurde in der Ausschreibung um genügend Fendermaterial gebeten und alles ging ruhig und ohne böse Worte ab.

Bunte Spis in der Ecker Bucht

Abends war die Latin Rock-Band „Soltoros“ der Bringer, leider mußten sie um kurz nach 23 Uhr die Verstärker abstellen, denn Laboe wollte schlafen. Die meisten Segler aber auch, denn das Highlight stand noch bevor: Die Wettfahrt „Rendezvous der Klassiker“ mit Start direkt vor‘m Kieler Yacht Club mitten durch die belebte Kieler Innenförde mit anschließendem Einparken im Millionärsbecken direkt vor dem KYC. Auch hier fanden alle Platz und gestärkt von Kuchen und BUDWEISER- Einlaufbier konnte sich das Seglervolk auf den Abschlußempfang im Kaisersaal mit großem Buffet vorbereiten. Hier wurden dann auch alle geehrt, die unermüdlich lange im Voraus auf diese traumhafte Woche hingearbeitet hatten und jetzt den Dank aller Teilnehmer entgegennehmen konnten. Auch die Sieger, es gab viele; vier möchte ich herausstellen: Das Ehepaar Ute und Stefan Sendtner-Völderndorff, echte Veteranen aus Berlin, die mit ihrer selbst restaurierten 1959er Hansa-Jolle „Sausebraus“ jede Wettfahrt gewonnen hatten. Die Crew des Renn 8ers „Feo“ von 1927, Thorsten Wildies und Mitsegler auf dem Tourenkreuzer „Logo“ von 1922 sowie Astrid und Ulf Meusel auf dem frisch restaurierten 20er Jollenkreuzer „Windbeutel II“, die jeweils ihre Klasse über die Woche dominieren konnten.

Gut festhalten – Wilfried Horns 7 KR „Piraya“ läuft Rumpfgeschwindigkeit!

Im Foyer stand etwas verloren der Vertreter von RAYMARINE vor seinem Display und gab interessante Infos über Yachtelektronik. Der Autor dieser Zeilen war auch dabei – auf dem 9 KR „Liesoletta“ unter HSC Stander, ein Markgraf Entwurf und Bau von 1963 von stolzen 13+ m Länge, damals ungeschlagen, dafür heute mit einem so fiesen KLR Wert belegt, dass kein Blumernpott mehr zu gewinnen ist. Vielleicht lag‘s auch an der Crew? Ariane, Detlef, Nico und Tommy hatten sich alle Mühe gegeben, sind fast immer gut gestartet haben immer den Spi gezogen und bis auf eine jede Wettfahrt beendet. Spaß gemacht hat‘s trotzdem und wir haben viele tolle Bekanntschaften aufgefrischt und neue gemacht.

„You have the right of wood – I have the right of steel!“….“Heti“ bleibt auf Distanz

Der Schwof im KYC mit der Disco- Show-Band ging noch bis tief in die Nacht. Da waren wir längst schon auf dem Weg nach Fehmarn. Wir mußten gegen einen schönen 3er Wind in die aufgehende Sonne kreuzen – eine unvergeßliche lichte Nacht voller Ruhe, morgens um 10 Uhr fest im alten Fehmarnsund Fährhafen und die Classic Week 2019 ist Geschichte.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen zur German Classics 2019 vom 15.-18. August in Laboe.

Mehr Infos und Ergebnisse unter www.fky.org   

Text und Fotos: Tommy Loewe