OHNE TRAPEZHOSE GEHT GAR NICHT

02.09.2016 – Die Känguruh-Regatta am letzten Mittwoch erlebte eine Premiere; erstmals nahm ein olympischer Medaillengewinner in „seiner“ Klasse daran Teil! Nach 30 Jahren Pause bediente Peter „Lumi“ Naumann (im stolzen Alter von 75) mal wieder Genua und Spinnaker eines Flying Dutchman; der Klasse, in der er an der Vorschot von Uli Libor ’68 in Mexico Silber und ’72 in Kiel Bronze gewann. Für diesen Einsatz kam der formverleimte Hein-FD Baujahr 1970 von Leistungssport-Vorstand Wolf-Dieter Jahn mit Halbdoppelboden gerade recht, denn genau so ein Boot haben Libor/Naumann auf den olympischen Spielen gesegelt.

Hier Wolf-Dieter’s Erfahrungsbericht:

„Anfangs hat sich Lumi ja noch geziert, wie immer in den letzten 12 Jahren, wenn ich ihn mal gefragt habe. Als ich ihm dann aber sagte, ich hätte immer noch keinen Vorschoter und der Druck seines Freundeskreises größer wurde („Los, Lumi, mach doch….!“), kam Lumi dann doch an Bord. Vorher zog er sich aber als allererstes die Trapezhose an: „Ohne Trapezhose geht gar nicht“. Die brauchten wir dann zwar nicht, allerdings zuckte es bei Lumi immer, wenn Böen kamen. Auch die Trimmlage des Bootes wurde reflexartig korrigiert („mehr Krängung bei Flaute!“). Er ließ es sich nicht einmal nehmen, auf’s Vordeck zu turnen und die Rollgenua zu klarieren – ein Top-FD-Vorschoter eben. Ich habe ihn gefragt, wann er zuletzt auf einem FD gesegelt ist; „ungefähr 1985“ war seine Schätzung. Ist ja erst gut 30 Jahre her…

Was habe ich von Lumi gelernt?

  1. meine Genuaschot ist zu dick: „Höchstens 10mm, und keinen Schäkel am Schothorn, einfach anknoten!“
  2. bei einer Spihalse steht der Vorschoter VOR dem Mast. Da habe ich aber gestaunt, denn diese Variante ist im Laufe der Jahrzehnte augenscheinlich in Vergessenheit geraten. Eigens dafür ist das Deck bei diesen Booten seitlich vom Mast rund ausgeschnitten. Als ich mich bei der Spihalse noch fragte, wie Lumi jetzt unter dem Großbaum durchkommen will, stand er bereits vor dem Mast und hatte den Spibaum schon fertig umgesteckt!
  3. damals wie heute wurde bei Regatten viel geraucht…..

Eigentlich müssten wir jetzt Uli Libor und Lumi nochmal zusammen auf das Boot setzen und vom Steg abschubsen…“

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Hier ergänzend ein kurzer Kommentar von Uwe Koglin, einem der damaligen Konkurrenten von Libor/Naumann:

„Unser Ehrenmitglied und zweifacher Olympimedaillengewinner im FD, Peter Naumann, stieg im Alter von 75 Jahren nochmal in einen FD, um Regatta zu segeln! Leider waren die Bedingungen bei dieser Känguruh-Regatta nicht optimal und so wurde seine Standfestigkeit im Trapez nicht geprüft. Am Ende reichte es für einen respektablen 47. Platz bei 98 Startern! Nach der Wettfahrt meinte Lumi: „Der FD ist auch heute noch mein Lieblingsboot und die Regatta hat mir viel Spaß gemacht!““

Fotos: Uwe Koglin, Pepe Hartmann