MIT DER JUBILEE BEIM WINDIGEN MAIOR

09.05.2019 – Nachdem unser Bundesliga-Trainingsboot „Jubilee“ nun von Christina Schober mit viel Aufwand „klassentauglich“ gemacht wurde, gibt es von ersten Einsätzen zu berichten. Christina schreibt uns:

Nach wochenlanger Planung und Organisation von gefühlt 100 größeren und kleineren Materialien und Entscheidungen, nach einer anspruchsvollen Finalisierung der 5-köpfigen Crew war es am 1.Mai endlich soweit, die „Jubilee“ macht sich mit Team Christina (finanziell unterstützt von Sonnenschutzsystem Lewens) auf den Weg nach Kiel zur Maior 2019.

Dienstagabend gab es noch eine kleine Trainingseinheit und anschließend wurde die Jubilee fast vollständig abgebaut, gekrant und verpackt auf dem Straßentrailer, mit Hilfe von Silke, Wiebke, Basti und mir.

Abfahrt vom HSC

Mittwochmittag ging es dann zusammen mit Birte, ihrem Vater und seinem Zugfahrzeug, Basti und mir Richtung Kiel Schilksee. Dort haben wir dann zusammen mit Daniel die Jubilee aufgebaut und äußerst akribisch das Rigg eingestellt. Es war saukalt und wir froren bitterlich, somit beschlossen wir die erste Trainingseinheit auf Donnerstag zu verlegen, wenn auch Kalli zu uns gestoßen ist.

Unter’m Kran in Kiel

Den Donnerstag gingen wir entspannt an, kranten erstmal die Jubilee ins salzige Hafenbecken und schraubten nochmal länger als uns lieb war, hier und da rum, bis das Rigg final auf 16-19 kn eingestellt war. Schließlich haben wir noch eine teambuildenden Kaffee- und Kuchenpause eingelegt und dann ging es schließlich für rund 2h aufs Wasser, insbesondere Starkwind-Halsen üben. Das klappte ganz gut, machte viel Spaß, sodass wir zufrieden und gewappnet für die kommende Wettervorhersage an Land zurück kehrten. Freitagmittag ging es dann los, es wurden sogar deutlich über 20 kn angesagt, sodass wir nochmal das letzte Quentchen aus den Wanten quetschen mussten. Kleine Malheure bis dahin: vollständig verstelltes Vorhängeschloss, 2-3 Schäkel sowie einen Schraubenzieher versenkt, den auch die 49er Jugend vor Ort nicht mehr heraus tauchen konnte.

Für Freitag waren 3 kurze Rennen in der Strander Bucht angesagt, das sollte machbar sein. Sehr dick eingepackt fuhren wir rechtzeitig raus und machten noch einige Schläge und Start-Zeit-Linienübungen. Die restliche Flotte, leider nur 8 J70 bei dem Wind, verschlief etwas den ersten Start und so gelang uns ein perfekter Pinend Start auf die erwünschte linke Seite, mit der Konsequenz, 1. am Luvfass, wow! Wir konnten auf den beiden Downwindgängen mithalten und auch die zweite Kreuz war gut, sodass wir sehr zufrieden mit Platz 2 ins Ziel glitschen, top-Speed 16kn laut Computer. Boot Nr. 3 und 4 sowie weitere J70 haben sich teilweise selbst mit Sonnenschüssen und chinese gybes ausgeschaltet, sodass wir stolz auf uns waren, ohne Komplikationen über den Kurs gekommen zu sein. Jetzt noch zweimal heil und ähnlich gut über den Kurs zu kommen, das sollte doch nicht so schwer sein. Äh, falsch gedacht, die Konkurrenz war aufgewacht, machte uns gehörig Probleme beim Starten und bei uns zeigte sich irgendwie langsam der Wurm, der auch das restliche Wochenende irgendwie drin war bei uns. Unsere Startqualität nahm ab und auch teils schlechte Höhe an der Kreuz und erste Sonnenschüsse nach den Halsen vermiesten uns die beiden kommenden Wettfahrten und wir fanden uns nun im hinteren Teil des Feldes wieder, Platz 7+8. So richtig erklären konnten wir uns das zunächst nicht, aber es war eine Verkettung an Steuer-, Trimm-, Taktik- und Kommunikationsfehler.

„Jubilee“ kann den Sonnenschuß grad‘ noch abwenden, „Hot Stuff“ nicht….

Im Gegensatz zur Bundesliga kommt es bei Klassenregatten eben doch auf die letzten 0,05 kn an und das Ganze auf der Ostsee bei über 20kn Wind und Welle. Das war allen bewusst, dennoch waren wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht von den letzten beiden Rennen, nach der famosen 1.Wettfahrt des Tages und dem guten Abschneiden bei der FVR I. Lehrgeld nennt man so etwas wohl, und das ist auch gut so! Nur so verbessert man sich stetig.

Gewohnt haben wir in der WG von Daniel und Max in Kiel, vielen Dank an die beiden. Daniel durfte auch fleißig seine handwerklichen Fertigkeiten nachgehen und ein neues Steckschott für den Startcomputer basteln, sowie Segeltaschennähte reparieren und zusammen mit Kalli Segelnummern kleben. Samstag gab es etwas weniger Wind, aber immer noch zahlreiche derbe Böen. Wir hatten wieder sehr gute Momente, führten auch mal eine ganze Runde, aber konnten es leider nicht ins Ziel retten und mussten uns somit nach 5 (kurzen) Wettfahrten mit weiteren Plätzen zwischen 6 und 8 „begnügen“ (von inzwischen 11 J70).

bunte Gennaker, immer wieder ein schönes Bild

Auf der samstagabendlichen Hotdogparty haben wir dann auf Wunsch von Daniel gesunden selbst gemachten Salat gegessen, ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Die Party war irgendwie naja und wurde bereits gegen Mitternacht beendet, aber das habe ich zugegebenermaßen auch schon nicht mehr mitbekommen.

Sonntag, Windvorhersage zwischen 6 und 15 kn, ziemlich tricky also. Wir hatten einen klaren Plan, aber der Wurm blieb drin im 9.Rennen und wir wurden von der Konkurrenz gnadenlos dafür bestraft. Erst im letzten Lauf gelang uns nochmal ein sehr guter Start und auch die Wahl der Seiten up&down war gefühlt besser. So konnten wir die Wettfahrtserie mit einem versöhnlichen 5.Platz abschließen.  Insgesamt hat es somit leider nur zu Platz 8 von 11 Booten gereicht. Wir haben klare Trainingsziele identifiziert und werden diese nun angehen. Dennoch war es ein rundum schönes langes Wochenende mit guten bis sehr Segelbedingungen, viel Sonne und mit entsprechender Kleidung aushaltbaren Temperaturen.

Gespannt haben wir während der Tage auch unsere Mädels verfolgt, die beim ersten DSBL-Spieltag in Starnberg einen großartigen zweiten Platz einfahren konnten. Herzlichen Glückwunsch an Silke, Maren, Lea und Luisa.

Kiel wir kommen gerne wieder, die Glitschfahrten waren einfach geil 😊!

Euer Team Christina

Text: Christina Schober, Fotos: Christian Beeck (www.segel-bilder.de, 3x), Christina Schober