MIT „ILSEBILL” ZUM DEUTSCHLANDPOKAL

03.06.2019 – Krause fragt, ob wir zusammen Hansa-Jolle segeln wollen. Da kann man nicht nein sagen, auch wenn WD mit seinem FD und fiesen Dampferwellen auf der Elbe bei der Glückstadtregatta lockt. Krause, ein Freund von mir wohnt in der Nähe von Neustadt.  Da können wir übernachten. Schlafen auf der Hansa-Jolle würde ich nicht überleben. Also los. Himmelfahrt (Herrentag, Vatertag) treffen wir uns Mittags zum Aufbauen und Slippen der Lady. Nagelneue Fritz-Segel tauchen auf. Oha, das wird ernst. Ein kurzer Schlag vor den Hafen, meine Beine bekomme ich einigermaßer sortiert. Passt.

Den Rest des Vatertags genießen wir bei “25 km/h” und einer Schüssel Maggi-Ravioli warm. Ein Glas Rosé für das Cote-d’Azur-Feeling dazu. Die Regattavorbereitungen sind somit abgeschlossen.

Der Freitag bietet grauen Himmel mit 12-17 kn Wind. Wir wechseln auf die Genua. Genau richtig die Entscheidung. Die Linie ist lang, sehr lang. Wir bleiben lieber beim Feld, haben ja keine Ahnung, wie die anderen so fahren. Freier Wind am Start und Hängen, Hängen, Hängen. Fuß unter die Bank klemmen mit einer Hand an der Winsch und mit der anderen am Aufbau festkrallen. Eigentlich immer kurz vor dem Absturz in die noch saukalte Ostsee. Das Bad bleibt mir erspart. Ab und zu vertüdeln sich meine langen Beine mit den Schoten. Mist! Das erste Rennen beenden wir kurz hinter den beiden Kunststoff-Hansa-Jollen. Das sieht doch schon mal gut aus. Ein paar Lockerungsübungen, zwei Kekse und weiter geht es. Denkste! Die Wolke, die einen schnellen Start der zweiten Wettfahrt verhindert, verschwindet nur langsam. Der Wind nimmt ab. Einige Konkurrenten wechseln auch auf die Genua. Erst zum Ende der Startkreuz ist eine neue Wolke mit Wind da. Ein Blick zurück. Mist –alle sind ganz schön nah dran. Also wieder einen Fuß unter die Bank klemmen und Hängen, Hängen, Hängen. Um das Luvfass, Fock ausbaumen und die Lage checken, keiner mehr in der Nähe. Aber die Verholtonne, die wir gerade auf der falschen Seite passieren. Anluven, Boot fast umgeworfen und die Tonne noch geschafft. Mist! Zwei Boote sind durch. An Bord sind wir quitt. Andreas hat die Tonne fast verpasst und ich hab ein paar Wenden versaut.

Ausruhen bis zum Leefass. Wir rutschen schön die Wellen runter und kommen wieder in Schlagdistanz. Also wieder Hängen, Hängen, Hängen. Das gibt heute abend Schmerzen. Lohnt sich aber und wir gehen als erste durchs Ziel.

Abends dann das legendäre Spargelessen der Max-Oertz-Regatta mit Siegerehrung. Wir verabschieden uns früh. Die müden Knochen brauchen ihre Ruhe. Morgens halten sich die Schmerzen in Grenzen.

Samstag nun die “Langstrecke”. Wir segeln diesmal Dreiecks-Schenkel. Schön, dass es das noch gibt. Der Wind hat ordentlich zugelegt. Also heute mit der Fock. Die Startkreuz ist perfekt. Hängen, Hängen, Hängen und mit gutem Abstand vor dem Rest um die Luvtonne. Nur Junior-Boote um uns herum. Kein Verholtonne. Alles im Lot. Um das Leefass herum und dann gibt der Wind den Geist auf. Ich sitze als totes Gewicht im Boot und wir parken ein. Plötzlich nur noch Vierte. Mist. Egal, nicht die Konzentration verlieren. Sehen wir an einem Konkurrenten kurz vor uns. Ein Angelboot liegt in seinem Kurs, er schreit und winkt und schreit, bis das Angelboot wegfährt. In der Zwischenzeit sind wir vorbei. Klarer Fall von selber Schuld.

Ab auf die Zielkreuz. Der Wind ist wieder da. Nochmal Vollgas und es reicht zum dritten Platz und den Gesamtsieg. Schmerzen vergessen.

Text und Fotos: Stefan Zeyse