Seeregatten

Alle Jahre wieder…

starten Yachten des HSC erfolgreich bei Nord- und Ostseeregatten. Ein kleiner Über-, Rück- und Ausblick.

Im ersten Test des Jahres beginnt es mit der Glückstadt-Regatta („Happy Town“) an einem Wochenende kurz vor Pfingsten. Danach folgt die Nordsee-Woche vor Helgoland, ebenfalls mit dem ersten Start in Wedel. Hier geht es mit dem ersten Fight gleich am Start los, und zwar gegen die Strömung mit nur kurzer Startlinie. Da ist man froh, gut rauszukommen und nicht gleich „ein Grundstück zu kaufen“, wenn man nicht aufpasst. Das ist immer dann der Fall, wenn die Yacht rechts im flachen Wasser aufsitzt. 

Begegnungen während der Glückstadt-Regatta

Vor Glückstadt ist es dann aber so weit. Da zieht der Strom in Richtung Nordsee. Nun geht die Post ab, gute vier bis sechs Knoten mehr Speed. Aber Vorsicht: So ab Brunsbüttel ist Stauwasser. Danach heißt es „Strom gegenan“. Hier werden die Karten neu gemischt. Jeder Schlag an der Kreuz quer über die Elbe bedeutet „Rückwärtsgang“. Wieder entscheidet sich neu, wer ist vorn und wer ist hinten. So sind hier die Aussichten, die Schlacht ist erst geschlagen, wenn Du durchs Ziel bist in „Cuxendorf“.

Den Möwen nicht zu nahe kommen

Am Sonnabendmorgen geht es dann von Cuxhaven nach Helgoland. Zunächst sind an der Nord die roten Elbtonnen zu berücksichtigen, die Roten, die dann links liegen bleiben müssen. Auch hier gilt: Aufgepasst, rechts daneben schauen die Möwen auf einem Bein zu, dass man Ihnen nicht zu nahe kommt. Wenn Du da sitzt auf Schiet, dann blievst dort sitten. Der Strom läuft nämlich ganz schnell ab, Du bleibst wie festgemauert und hoffst auf Deinen Motor, dass der es noch gerade schaffen kann, um von Deinem Grundstückskauf Abschied zu nehmen. Das muss aber alles ganz schnell gehen!  

An der letzten roten Tonne der Elbe werden die Karten mal wieder neu gemischt. Steuerst Du rechts Richtung Helgoland an, dann war es diesmal wieder links. Entscheidend ist nämlich der Strom. Kommt er von links oder von rechts? Besser, du schaust Dir die Strömungskarten rechtzeitig an, damit Du nicht würfeln musst…

Vom Wetter und dem Hahn auf dem Mist

Pfingsten, Sonntag, ganz früh, gefühlt mitten in der Nacht, wünscht der Regattaleiter „Frohe Pfingsten“ auf der Besprechung für Rund Helgoland. Danach kommt der Wetterfrosch und erklärt den Nördlichen Gradienten. Mitunter hat er dann aber nicht mit dem Hahn auf dem Mist gesprochen, der ja oft meint, dass das Wetter bleibt, wie es ist. 

Manchmal schlief der Wind am Schluss so schön, dass nur der Motor uns erlösen konnte. Es kann auch mal sein, dass man am Start noch die Startlinie gesehen hat – und danach war Nebel. Dabei gab es schönen Wind und wir konnten mit unserem „Fernseher“ die Seekarte gut verfolgen und fuhren zum Schluss zehn Minuten vor unseren Verfolgern durchs Ziel. Da konnte man uns gerade noch erkennen.

Die „Elan” von Kommodore Harald Baum auf der Elbe

In Nullen und Achten um Helgoland

Jetzt am Montag steht die „Helgoländer Acht“ auf dem Programm. Da hat offensichtlich in der Schule nicht jeder aufgepasst, was eine Null und was eine Acht ist. Also, der Wettfahrtleiter sagt am Morgen: „Wir machen es diesmal so, wir segeln linksherum und wenn Ihr dann das Ziel überquert, dann tuten wir, wenn die Regatta beendet ist. Wenn nicht getutet wird, segelt Ihr rechtsherum die Acht weiter.“ 

Ich habe viele Jahre die Wettfahrt-Vorschriften gelesen, aber „Tuten“ war da nicht zu finden. Auch meine Großmutter sagte: „Blasen weiß ich, aber was ist Tuten?“ Diesmal war es dann auch soweit, wir fuhren ohne Tuten durchs Ziel, also weiter rechtsrum um die Insel. Nachdem wir als erstes Schiff fast um die Insel herum waren, hieß es plötzlich über UKW: „Nicht weiterfahren!“ Wir hätten zwar nicht getutet, sagt die Wettfahrtleitung, aber die Zeiten genommen. „Die Regatta ist beendet!“ Und das gibt es ja auch noch, nämlich dass getutet wurde, aber die Zeit nicht aufgeschrieben wurde. Also aufgepasst! Wir tuten immer im Geiste mit und schreiben dazu immer die Zeiten auf.

Am Montagmittag geht dann die Regatta zurück nach Cuxhaven. Zuerst wieder gegen den Strom bis zur ersten Fahrwassertonne der Elbe in Rot, dann kommt Stauwasser, und juchee, mit der Flut und ihren plus vier bis sechs Knoten in großen Schritten zum Ziel. 

Die X-332 „RubiX” des HSC während der Regatta Rund Bornholm, einer Langstreckenregatta der Warnemünder Woche

Highlight und „High Class“

Die Regatten der Nordsee-Woche sind wirklich ein Highlight des Jahres. Da werden Top-Leistungen gefordert, denn nicht nur der Wind, sondern auch der Strom stellt die Aufgaben. Ein tolles Revier! „High Class“ ist dann der Abschluss Helgoland-Kiel, die Skagen-Rund-Regatta. Ein Spezialist ist hier die „Elan“ mit ihren vielen Siegen. Dazu alle zwei Jahre Helgoland-Edinburgh. Aber was ist mit dem Brexit – brauchen wir dafür jetzt ein Visum?

Doch zurück auf die Elbe. Der Strom bleibt bis Brunsbüttel, dann schnell durch die Schleuse und ab in die Koje. Am nächsten Morgen dann eine schöne Kanalfahrt nach Kiel.  Dort wartet dann meistens eine Woche später die Regatta Ærø-Rund, danach Kieler Woche, Warnemünder Woche, Travemünder Woche und zum Schluss noch Flensburg.

Text: Manfred Böttcher
Fotos: Pepe Hartmann