TIEFES BLAU….

17.07.2019 …..so leuchtend, dass es ein Foto nicht wiedergeben kann.

Morgens um zwei auf der Heimfahrt von Kiel nach Hamburg; noch um eine Straßenecke und ich bin zu Hause. Aber schlafen kann ich noch nicht, zu voll die Tage vorher, zu viele Eindrücke, so dass ich das Blau der Nacht noch ein wenig auf dem Balkon ausklingen lasse.

Fast eine Woche bin ich im Juni auf der HETI gesegelt, mit unterschiedlicher Besatzung, von 10 bis 14 Frauen und Männern, in unterschiedlichen Formaten:

Vom Olympiazentrum in Strande geht es auf die Real Race Regatta, gute Winde treiben die 12mR-Yacht über die Ostsee mit der Deckskante im schäumenden Wasser und dem hinten wegflitzenden Kielwasser. Abends ein wunderschönes Beisammensein in Dänemark am Strand.

Nach der nächtlichen Überführung nach Glücksburg, wo wir den 25. Robbe & Berking Sterling Cup mitsegeln wollen, fällt der darauffolgende Tag auf Grund der starken Gewitterneigung ins Wasser. Wir als HETI Crew wären gern gesegelt, doch gerade mit fünf Segeln und Gaffeltakelung brauchen wir gut 45 min bis wir segelfertig sind und fast so lang, um das Boot wieder hafenfertig zu machen – ein Gewitter während der Regatta wäre da nicht gut.

Gigantisches Segel vor tiefem Blau

Nach Reparaturen am Boot vergrillen wir den Abend gemütlich deutsch-dänisch-finnisch mit der Kopenhagener Crew der „Wings“. Gespräche über Gott und die Welt mit Blick auf den Flensburger Segelclub und auf die 10 Schönheiten: 1st Ruler wie die HETI, 2nd Ruler wie ANITA und die etwas jüngeren 3rd Ruler. Alle ein wenig unterschiedlich, aber vereint durch die Meterformel, vereint durch die Konstruktion auf Geschwindigkeit.

HETI ist die älteste Dame im Hafen, 1912 von Max Oertz in Hamburg-Neuhof gebaut, verbrachte sie lange Zeit in Hamburg und ist nach ihrer Restaurierung ein Teil der „Stiftung Hamburg Maritim“. Sie wird von einem Verein finanziell in Form gehalten und von der Crew mit Hilfe des Teilzeit-Bootsmannes gewartet und liebevoll gepflegt. Die Winterarbeit wird mit Unterstützung unseres Bootsmanns auch auf motivierte Crewmitglieder aufgeteilt.

Am folgenden Tag sieht das Fetch-Race von Glücksburg nach Dyvig einen Känguruhstart für alle 12er vor, um gemeinsam zur Brückenöffnung in Sonderborg anzukommen und weiter in den kleinen Hafen von Dyvig einzulaufen. Bestens organisiert werden bei Ankunft Würstchen und Bier gereicht, kurz das Boot klargemacht und anschließend mit allen 10 Crews gemeinsam im Saal gespeist.

Zwei Tage Matchraces vor Dyvig: Am ersten Tag mit all den über 20 m langen Schiffe am Start – wow! Selbst bei 2 bis 3 bft geht’s ab. Gekämpft wird hart in dieser Klasse, auch wenn Fairness hoch im Kurs steht. Jedem ist klar: Der Skipper weiß um seinen Schatz, den er hier im engen Regattafeld bewegt – doch „vorne sein“ zählt. Der letzte Start läuft gut, doch kommen wir mit unserem Gaffelrigg nicht an die Höhe der anderen Bermuda getakelten 12er heran – und verlieren Plätze nach guter Vorarbeit. 

Der Autor – offenbar mit sich und der (Segel-) Welt im Reinen

Auch am letzten Regattatag gelingt der Start, sitzen die Manöver, alle fünf Segel stehen bei leichtem Wind und glatter See, es scheint HETIs Tag zu sein, so dass wir einen Sieg einfahren. Doch wegen des einschlafenden Windes  kommt es nur zu diesem einen Matchrace.

Die Siegerehrung in Dyvig, mit launiger Ansprache, das Warten auf die Brückenöffnung von Sonderborg auf dem Rückweg nach Kiel; die vorbeiziehenden Gewitterwolken, die sich um uns ausregnen – all diese Eindrücke kommen wieder, als ich auf dem Balkon sitze und die Tage Revue passieren lasse.

In Gedanken liege ich nach einem Segelwechsel auf dem warmen Holzdeck auf HETIs Vordeck, körperlich müde von dem mehrfachen Segelwechsel, das Boot zieht – nur leicht krängend  – bei guter Brise über die blaue See. Dann läuft im Kopfkino ein Film vom schnellen Segeln unter der Gaffel ab, von der schieren Energie der Boote, wenn sie an enger Startlinie um Positionen kämpfen, vom Zusammenhalt der Crewmitglieder bei den Manövern und vom gemeinsamen Feiern.

Der Nachklang dieser Regattatour mit der HETI bleibt im Kopf, während das nächtliche tiefe Blau für den kommenden Tag schon wieder ein wenig heller wird.

Text: Georg Röder, Fotos: Hans Jürgen Friede, Moritz Drerup, Sven Först und „Freunde der Segelyacht HETI e.V.“