ZU GAST BEIM ANSEGELN DER FAHRTENSEGLER

21.05.2019 – Wie ist das eigentlich, auf einem Dickschiff und noch dazu auf der Ostsee zu segeln? Was für viele von uns eine klare Sache ist, hat so manch ein Mitglied der Jugendabteilung noch nie erlebt.
Unser Jugendobmann André und unser Obmann Fahrtensegeln, Armin, hatten sich darum im Winter zusammengetan und für interessierte Jugendmitglieder die Teilnahme am Ansegeln der Fahrtensegler organisiert. So ergab sich die Möglichkeit, über die Tellerränder von Opti, O’pen Bic und Außenalster hinaus zu sehen.
Das Angebot war zunächst für die etwas Größeren gedacht, die Idee war, dass sie als Gast auf den Dickschiffen mitsegeln. Weil die Kleineren aber auch gerne wollten, haben Armin und André die „Spielregeln“ erweitert, und ihnen die Teilnahme ermöglicht, sofern ein segelerfahrenes Elternteil mitkommt. Das war unsere Eintrittskarte.
Nachdem sich die Fahrtensegler bei der Vorbesprechung zum Ansegeln Anfang März mit den Jugendmitgliedern verabredet hatten, war Vincent aufgeregt wie vor Weihnachten.

Vincent übt schon mal



Am Freitagabend gingen wir dann an Bord der „Bayard“. Unsere Gastgeber Gabi und Matthias Andreae hatten uns eingeladen schon Freitag an Bord zu übernachten, damit wir am Sonnabend entspannt gemeinsam in den Tag starten können. Außerdem konnten wir uns so schon mal gegenseitig kennenlernen. Letzteres hat für uns sehr schöne Überraschungen bereitgehalten, erstens weil wir unsere Gastgeber als sehr freundlich und aufgeschlossen erlebten, und zweitens weil Vincent eine Freikarte erhalten hat alles an Bord zu dürfen und erklärt zu bekommen. Das hatten wir in der Form nicht erwartet, die Begeisterung näherte sich dem Siedepunkt.
Am nächsten Morgen hieß es dann erst mal Brötchen holen (ja, das gehört auch zum Fahrtensegeln), wobei Matthias und Vincent in weiser Voraussicht gleich noch Kuchen mitgebracht haben. Nach dem Frühstück wurde dann das Schiff seeklar gemacht. Dazu musste auch die Rollgenua ins Vorstagprofil eingefädelt und hochgezogen werden. Lernerfolg: Ein Segel mit der Fläche von locker 10 Optisegeln zu hissen ist für einen Milchzahnrocker auch mit einer ordentlichen Winsch eine Herausforderung.

Was für eine Arbeit

 

Auf der Steuermannsbesprechung hat Armin dann den Kurs erklärt (sammeln „vor der Tür“, dann einmal um den Kieler Leuchtturm und wieder zurück). Lernerfolg: Es gibt auch Steuerfrauen, und die haben ihre Leute, die sie zur Steuermannsbesprechung schicken (es gibt an Bord wichtigeres zu tun).
Dann endlich los. Auf welchen Knopf muss man drücken, um den Motor zu starten? Wie geht das mit vorwärts und rückwärts? Wozu ist der rote Knopf? Wie steht eigentlich das Ruderblatt?
Beim Auslaufen dann schon das erste Mal ans Ruder, das ist toll! Vor dem Hafen muss das Großsegel hoch, noch so ein riesiger Lappen. Es dauert schon eine ganze Weile, aber Gabi am Ruder hat unermessliche Geduld, und so ist das nächste Erfolgserlebnis da.
Noch etwas im Kreis segeln bis die anderen alle da sind, und los geht es Richtung Leuchtturm.

Schönstes Segelwetter

Das Wetter hat Armin vorbildlich organisiert: Blauer Himmel, Sonne, leichter Wind, so konnte das Fahrtensegeln in schönster Form erlebt werden. Sonnencreme war dringend empfohlen, auf dem Wasser wegen der noch nicht sommerlichen Wassertemperatur dann auch warme Kleidung.
Wie steuert man denn nun? Nach der elektronischen Seekarte, dem Kompass, der Windanzeige, den Windfäden, oder einfach auf den Leuchtturm zu? Da wir den Leuchtturm nicht anliegen können, entschließt sich der kleine Steuermann für die Windanzeige (die gibt es auf dem Opti nicht, darum muss sie dringend ausprobiert werden).

Ziel in Sicht

Dann um den Leuchtturm herum. Upps, wir sind ja schon richtig weit auf der Ostsee, das ist was anderes als auf der Alster.
Auf dem Rückweg sind wir dann raumschots bis teilweise platt vor dem Laken unterwegs, da kann man nach Kompass steuern. Zwischendurch donnert noch der Rettungskreuzer in Richtung Schleimünde los, erstaunlich wie lange man so ein „Motorboot“ hört, auch wenn man es schon fast nicht mehr sieht.
Vor dem Hafen dann wieder Motor starten, Segel einpacken, Fender und Leinen klar machen. Das ist schon was anderes, als mit dem Opti einfach an den Steg zu segeln.
Und überhaupt ist alles viel größer, dicker und schwerer als gewohnt. Und natürlich viel toller!
Nach der Ankunft im Hafen dann erstmal ein Stück Kuchen unter der Kuchenbude (daher wohl der Name). Später hatten die Kinder dann Gelegenheit sich gemeinsam die verschiedenen Boote anzusehen. Es gibt da ja durchaus Unterschiede.
Dann noch ein Klönschnack bei Bier und Limo am Mastkran in der Abendsonne, bevor es gemeinsam zum Italiener nach Schilksee geht. Dort ist der sehr schöne Tag dann würdig mit einem gemeinsamen Abendessen beendet worden, zu klönen gab es auch noch reichlich.
Wir waren von unseren Gastgebern eingeladen wieder an Bord zu übernachten. Sehr glücklich und müde sind wir schnell eingeschlafen.

Gabi lässt steuern

Sonntag hatten wir wieder tolles Wetter, nur dieses Mal mit richtig Wind. Gute 5 in Böen 6 Windstärken. Gabi und Matthias ließ das kalt, sie kennen ihr Schiff und Revier und schlugen vor, einen Schlag nach Kiel zu machen. Gesagt getan genießen wir die Vorzüge der Hallberg Rassy, die sich problemlos mit Vollzeug durch die Ostsee schiebt. Aber man merkt, dass auch so ein großes, schweres Boot sich in Wind und Wellen erstaunlich flink bewegen kann.

Wenigstens einer guckt nach vorn

Zurück im Hafen gibt es nochmal Kuchen und Tee, dann hilft es alles nichts, wir müssen uns verabschieden.
Wir haben zwei ganz tolle Menschen und eine große Fahrtenyacht kennen gelernt, erlebt wie es ist darauf zu leben und zu segeln. Gabi und Matthias ist es perfekt gelungen, das Fahrtensegler-Virus zu übertragen. Wüssten wir nicht, dass es gut gemeint war, würden wir es heimtückisch nennen. Denn gekommen sind wir mit Vorfreude und Begeisterung, abgereist sind wir mit einer ganz tollen Erinnerung, aber auch mit der Enttäuschung dass es schon vorbei ist und dem unbedingten Wunsch nach mehr. Auf der Heimfahrt tönte es von der Rückbank in einer Tour „ich will zurück aufs Boot“.
Vielen Dank an Armin und André, die das für uns organisiert haben, und natürlich an Gabi und Matthias, die es dann in perfekter Weise für uns haben Wirklichkeit werden lassen.
Ja, wir wollen wieder! Am besten morgen!
 
Weitere Jugendmitglieder hatten sich noch auf andere Yachten verteilt, und nach dem was ich beim gemeinsamen Abendessen mitbekommen habe, waren sie auch alle sehr gut gelaunt. Das nenne ich ein erfolgreiches Wochenende!

Sören Schleider (Links) mit Mia Sophie Aldag und Skipper Peter Hankemeier beim Frühstück

Stolze Steuerfrau: O’pen Bic Seglerin Mia Sophie Aldag

Text: Jan Penner
Fotos: Jan Penner und Peter Hankemeier