Zur Travemünder Woche zog es die J22-Community in den Norden Deutschlands, dabei war der HSC mit einer starken Flotte aus 4 Teams vertreten. Schon Tage vorher hat nicht das Meer den Puls hochtreiben lassen, sondern die Wetter-App. Die Windprognose leuchtete in sämtlichen Grüntönen, und wie sich herausstellen sollte, war selbst das noch optimistisch.
Die Teams übernachteten in Hotels, Ferienwohnungen und wir Hamburger bauten unsere kleine Wagenburg auf dem Campingplatz Grünstrand – mit bestem Blick auf die Travemündung. Besser ging’s kaum.
Am Samstag ging’s dann endlich raus aufs Wasser. Für die J22-Flotte bedeutete das eine lange Anreise zur Bahn Alpha in der Timmendorfer Bucht. Schon auf dem Weg dorthin war klar, dass mit der Windprognose untertrieben wurde. Die Wanten wurden gleich mehrfach nachgetrimmt. Auf der Kreuz wartete eine kurze, kappelige Welle und der Plan war klar: Ausreiten, Böen ansagen, Großschot ständig trimmen und sauber in die Überhöhe steuern. Entspannung? Keine Spur. Vor dem Wind ging der Puls dann endgültig durch die Decke. Viele Crews ließen den Spinnaker sicherheitshalber in der Tasche – eine durchaus vernünftige Entscheidung. Wer ihn trotzdem setzte, lieferte allerdings beste Unterhaltung: Sonnenschüsse, badende Crewmitglieder, gekappte Spischoten und andere spektakuläre Aktionen. Als dann auch noch die Smart-Bojen beschlossen, ihre eigene Downwind-Regatta zu veranstalten und Windgeschwindigkeiten bis 38 Knoten gemessen wurden, ließ die Wettfahrtleitung Gnade vor Recht ergehen und schickte die Flotte zurück in den Hafen. Zur Erholung wurden am Nachmittag sogar Massagen in der Stadt gebucht.
Sportlich bahnte sich bereits nach dem ersten Tag ein Vierkampf um das Podium an. stormy J aus Berlin sowie die Hamburger Teams J Bender und JOLA lieferten sich mit Jazzy aus Duisburg einen packenden Schlagabtausch.
Am Sonntag wehte der Wind zunächst moderater und erlaubte allen Teams das Segeln unter Spinnaker – zumindest anfangs. Im Laufe des Tages übernahm jedoch Rasmus wieder das Kommando. Eine Regen-Böen-Front mit weißen Schaumkronen fegte übers Regattafeld. Die Wettfahrtleitung reagierte umsichtig und reduzierte das Tagesprogramm von vier auf drei Rennen. An der Spitze blieb es spannend: Alle vier Top-Teams konnten bis dahin mindestens einen Lauf gewinnen. Mehr Spannung ging kaum.
Mindestens genauso gelungen war allerdings das gemeinsame J22-Barbecue auf dem Campingplatz. Alte Hasen, Neueinsteiger und sogar die Wettfahrtleitung saßen bis spät in den Abend zusammen. Es ist wirklich schön zu sehen, dass auch junge Seglerinnen und Segler den Weg in die Klasse finden. Besser kann man sich die Zukunft einer Bootsklasse kaum wünschen.
Der letzte Wettfahrttag fügte sich nahtlos ein. Diesmal auf der Mediabahn kurz hinter der Hafeneinfahrt. Der Weg war erfreulich kurz, aber Rasmus hatte offenbar mal wieder verschlafen und unsere Wunschliste ignoriert. Ein kräftiger Nordwind baute ungemütliche Kreuzseen auf. Dann riss auch noch das Ankergeschirr des Startschiffs. Also hieß es zunächst: zurück hinter die Mole und warten. Nachdem die Technik wieder funktionierte, ging es zwar noch mal raus, aber die Bedingungen hatten sich mittlerweile verschlechtert. Böen bis 30 Knoten und heftige Wellen machten eine sichere Regatta unmöglich. Der Abbruch war deshalb die einzig richtige Entscheidung. Ein großes Kompliment geht an das Schweizer Wettfahrt-Leitungsteam um Sascha Osterwalder, das die Veranstaltung mit viel Augenmaß, Professionalität und dem nötigen Fingerspitzengefühl geleitet hat.
Das Endergebnis:
Platz 1 ging an Stormy J aus Berlin mit Wolf Jeschonnek, Frank Sturm und Klaus Lund
Herzlichen Glückwunsch !!
Platz 2 an J Bender vom HSC mit Thorsten Spötter, Hannes Ranke und Florian Buchs
Platz 3 JOLA ebenfalls vom HSC mit Andreas Dillmann, Silke Basedow und Julia Harder
Turbulente German Open, die Material und Menschen an ihre Grenzen brachten, aber auch zeigten, was die J22-Klasse so besonders macht. Sportlich herausfordernde Rennen, jede Menge Action auf dem Wasser und eine Gemeinschaft, die ihresgleichen sucht.
Bericht: Team JOLA
Fotos: Axel Heller, Andreas Dillmann, Wettfahrtleitung

















